Junge Deutsche Philharmonie & She She Pop:
Frei_Spiel X – Das große Ganze
Orchester und Theater wagen gemeinsames Experiment
Mit Spielfreude und einer unverwechselbaren Energie begeistert die Junge Deutsche Philharmonie seit über 50 Jahren Publikum und Kritiker*innen. Für diese Produktion wirft das Kollektiv She She Pop einen faszinierten Blick auf das Orchester: Sie entdecken einen monströsen kollektiven Körper – ein vielarmiges, aus multipler Lunge blasendes, hoch expressives Wesen – und zugleich eine vielstimmige, kreative Gemeinschaft wie sie selbst. Anders als die freie Theatergruppe funktioniert das Orchester jedoch hochspezialisiert und streng arbeitsteilig, den Blick abwechselnd fokussiert auf die Person am Dirigierpult oder den Notentext, dessen Schriftzeichen – notiert von einem nie angetasteten Genie – präzise und in korrekter Reihenfolge umzusetzen sind. Woher stammt die Euphorie, die diese besondere kollektive Praxis bei den Beteiligten und Anwesenden offenbar freisetzt? Was ist der Preis? Was ist mit den inneren Widersprüchen, Eigenheiten und besonderen Fähigkeiten – nicht zu reden von den Hemmungen, Unzulänglichkeiten, persönlichen Sorgen und Zweifeln? Das spielerische gemeinsame Experiment hinterfragt, was als grundlegende Voraussetzung der jeweiligen Kunst gilt: Wofür genau haben wir uns mit dem Publikum verabredet, wenn wir zum Konzert einladen? Und an welcher Stelle treten wir testweise aus diesem Rahmen heraus? Für »Frei_Spiel X – Das große Ganze« sind neben den Werken von Diana Syrse, Darius Milhaud und Grazyna Bacewicz eigene performative Scores entstanden, anhand derer sich der Orchesterkörper auch für die individuellen Perspektiven der beteiligten Musiker*innen öffnet. Ein Selbstversuch, der die Spannung zwischen Dienst und Ausdruck, zwischen individueller Aufgabe und gemeinschaftlicher Freiheit zu Gehör bringt. Die Zusammenarbeit mit She She Pop markiert die zehnte Ausgabe des biennal stattfindende Konzertformats »Frei_Spiel« der Jungen Deutschen Philharmonie.
Die Veranstaltung am 26.8. wird mit Audiodeskription angeboten.
Für interessierte Besucher*innen wird vor der Veranstaltung am 26.8. eine Tastführung angeboten. Beginn ist um 18:45 Uhr, Treffpunkt ist das Foyer der Redoute.
Um Anmeldung zur Audiodeskription und zur Führung wird gebeten unter → besuch@kunstfest-weimar.de.
Alle wichtigen Informationen zur Veranstaltung und zur Tastführung stehen auch in einem → Audioflyer zur Verfügung.
Besucher*innen, die Veranstaltungen mit einem Assistenzhund besuchen kommen möchten, bitten wir, dies vorab bei uns ebenfalls unter → besuch@kunstfest-weimar.de anzumelden, damit wir den Besuch bestmöglich vorbereiten können.
Programm
Grażyna Bacewicz
Konzert für Streichorchester (1948)
Diana Syrse
Connected Identities (Part I) (2017 – 2021)
Nahual (Musik: Diana Syrse / Text: Tzotzil-Texte von Jorge Miguel Cocom Pech, Enriqueta Lunez, and Briceida Cuevas Cob, zusammengestellt von Diana Syrse)
The Tower of Babel (Musik und Text: Diana Syrse)
El Aleph (Musik: Diana Syrse / Text: Aleksi Barrière)
Darius Milhaud
La création du monde (1922/1923)
Weitere musikalische Elemente, Videos und Performance
JUNGE DEUTSCHE PHILHARMONIE
DIE JUNGE DEUTSCHE PHILHARMONIE vereint musikalische Spitzentalente zu einem Klangkörper mit höchstem künstlerischem Anspruch – basisdemokratisch organisiert, international auf Tour, seit über 50 Jahren mit unbedingter Begeisterung für die Musik. Sie wurde 1974 durch ehemalige Mitglieder des Bundesjugendorchesters gegründet und umfasst heute ca. 250 Studierende deutscher Musikhochschulen. Seither sind aus der Jungen Deutschen Philharmonie mehrere eigenständige professionelle Ensembles hervorgegangen, z.B. die Deutsche Kammerphilharmonie, das Ensemble Modern und das Ensemble Resonanz. Die Junge Deutsche Philharmonie widmet sich der Förderung und Berufsvorbereitung angehender Musiker durch Ensemblespiel, das professionellen Ansprüchen gerecht wird. Neben dem Symphonieorchester existieren eine Reihe kleinerer Ensembles, die neben der exemplarischen Erarbeitung von Repertoire-Werken eine Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Musik und die Entwicklung neuer Konzertformen verfolgen.
SHE SHE POP
SHE SHE POP ist ein in Berlin ansässiges feministischen Performance-Kollektiv, das in den 1990er Jahren aus dem Gießener Institut für Angewandte Theaterwissenschaft hervorging. Seither praktizieren She She Pop eine Theaterform, die dem Experiment verpflichtet ist. Dabei wird die Bühne als Ort der akuten Öffentlichkeit genutzt: Hier werden Entscheidungen getroffen, Gesprächsweisen und Gesellschaftssysteme ausprobiert, Sprech-Gesten und soziale Rituale einstudiert oder verworfen. She She Pop sehen ihre Aufgabe in der Suche nach den gesellschaftlichen Grenzen der Kommunikation – und in deren gezielter und kunstvoller Überschreitung im Schutzraum der Kunst. Das Einbeziehen der eigenen Biografien ist dabei Methode – nicht jedoch der Zweck der Arbeit. Mitglieder sind Sebastian Bark, Johanna Freiburg, Lisa Lucassen, Mieke Matzke, Ilia Papatheodorou, Berit Stumpf und Elke Weber. She She Pop haben zahlreiche freie Theaterproduktionen realisiert und wurden u.a. mit dem George Tabori Preis und dem Europäischen Theaterpreis ausgezeichnet. Mit ihren Stücken „Testament“ (2010/11) und „Oratorium“ (2019) waren sie zum Berliner Theatertreffen eingeladen. In „Schubladen“ (2012) und „Mauern“ (2022) brachten Sie ost- und west-sozialisierte Akteur*innen auf der Bühne in einen Dialog über persönliche Erfahrungen, Herkünfte und Selbstbilder und die Frage nach einer gemeinsamen Zukunft.
DIANA SYRSE
DIANA SYRSE, Komponistin und Sängerin, gilt als eine der fesselndsten Stimmen ihrer Generation. Zu ihren Auszeichnungen zählen der Preis der Stadt München, der Teatro-La-Fenice-Preis und der Fedora Audience Award. Ihr Werk umfasst mehr als hundert Kompositionen, von Liedern über Oper, Musiktheater, Orchester-, Chor-, Kammer- und elektroakustische Musik bis hin zu über fünfzehn Bühnenproduktionen. Viele ihrer Werke sind für ihre eigene Stimme komponiert, entweder als Solistin oder in Kombination mit anderen Instrumenten, und wurden sowohl von ihr selbst als auch von anderen Interpret*innen auf internationalen Festivals aufgeführt.
Als Komponistin, Sängerin und gelegentlich auch Autorin ihrer eigenen Texte interessiert sie sich für die Schaffung von Musik durch eine konzeptuelle und dramaturgische musikalische Entwicklung, die vom Dialog mit dem Theater und dem Text geprägt ist. Sie engagiert sich in zahlreichen interdisziplinären Kollaborationen und verstärkt neue zeitgenössische Erzählungen, die sich auf politisch und gesellschaftlich relevante Themen konzentrieren. Ihr Werk ist geprägt von emotionaler Tiefe, getragen von Stimme, Text und emotionaler Intensität, verortet zwischen rigoroser kompositorischer Praxis und einer instinktiveren, intimeren Welt des Songwritings.
FRIEDERIKE SCHEUNCHEN
Die Dirigentin FRIDERIKE SCHEUNCHEN verfügt über ein außerordentlich breites Repertoire im Opern-, Sinfonie und Ensemblebereich, von alter und zeitgenössischer Musik bis hin zu experimentellen Formaten: Sie dirigierte unter anderem die Stuttgarter Philharmoniker, das Göttinger Symphonieorchester, Ensemble Modern, Ensemble Musikfabrik, Klangforum Wien (Debüt 2027), das Philharmonische Orchester Trier, die Junge Deutsche Philharmonie, Ensemble Resonanz, Ensemble Recherche, Ensemble Ascolta, das Bundesjugendorchester, das Freiburger Barockorchester, das SWR Vokalensemble u.v.m. Dirigate führten sie in renommierte Häuser wie die Elbphilharmonie Hamburg, nach Harvard (USA), an die Oper Frankfurt oder in die Laeiszhalle Hamburg, wo sie gemeinsam mit Matthew Herbert ein Bundesliga-Fußballspiel live vertonte.
Neben ihrer freiberuflichen Tätigkeit ist sie seit 2023 als Dirigentin und musikalische Assistentin von André de Ridder am Theater Freiburg engagiert. Dort übernahm sie unter anderem die musikalische Leitung mehrerer Opern, unter anderen Sara Glojnarićs »Neuro-Moon« (UA), Ellen Reids »p r i s m« (EA) und Schöllhorn/Kofflers »Alles durch MOW« (UA), sowie Nachdirigate von Werken wie Leoš Janáčeks »Jenůfa«, John Adams »Doctor Atomic«, Georg Friedrich Händels »Alcina« oder Pjotr Iljitsch Tschaikowskys »Pique Dame«.
- Von und mit: Junge Deutsche Philharmonie
- Musikalische Leitung: Friederike Scheunchen
- Konzept, künstlerische Leitung: She She Pop
- Gesang: Diana Syrse
- Raum: Philine Rinnert
- Videoart: Benjamin Krieg
- Technische Leitung: Sebastian Schackert
- Lichtdesign: Matthias Rieker
- Ton: Felix Bastian Dreher
- Künstlerische Mitarbeit: Elisa Künast, Lidiia Golovanova
- Audiodeskription: Katrin Meyberg, Janna Düringer (Pingpong Translation & Subtitling)
- Produktionsleitung: Fritz Heil
- Team Junge Deutsche Philharmonie: Maximilian von Aulock, Tania Vásquez Schmidt, Thomas Wandt, Johanna Kehl, Fritz Heil, Gwendolyn Grauer
- PR & Kommunikation She She Pop: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro, Tina Ebert
- Produktion & Company Management She She Pop: Aminata Oelßner, Elke Weber
- Eine Koproduktion der Jungen Deutschen Philharmonie und She She Pop in Kooperation mit dem Künstler*innenhaus Mousonturm Frankfurt am Main und dem Kunstfest Weimar.
- In Kooperation mit: Katrin Meyberg und Janna Düringer (Pingpong Translation)
- Melanie Fleischmann
- Produktion gefördert durch: Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien; Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur; Stadt Frankfurt a.M.; Kulturfonds Frankfurt RheinMain; Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten; Dr. Marschner Stiftung; Dr. Hans Feith und Dr. Elisabeth Feith-Stiftung; Crespo Foundation; Freunde der Jungen Deutschen Philharmonie; Christa Bülow Stiftung; Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen; Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt
-
Di 25.8. • 19:00
Mit anschließendem Publikumsgespräch, moderiert von Sören Sarbeck
-
Mi 26.8. • 19:30
Veranstaltung mit Audiodeskription & Tastführung
Tastführung: 18:45 Uhr, Treffpunkt Foyer Redoute -
Rollstuhlplätze, Induktionsschleife, Audiodeskription verfügbar
Hinweis zu Inhalten und sensorischen Reizen
Da die Produktion noch im Entstehen ist, liegen noch keine Informationen vor.
- Von und mit: Junge Deutsche Philharmonie
- Musikalische Leitung: Friederike Scheunchen
- Konzept, künstlerische Leitung: She She Pop
- Gesang: Diana Syrse
- Raum: Philine Rinnert
- Videoart: Benjamin Krieg
- Technische Leitung: Sebastian Schackert
- Lichtdesign: Matthias Rieker
- Ton: Felix Bastian Dreher
- Künstlerische Mitarbeit: Elisa Künast, Lidiia Golovanova
- Audiodeskription: Katrin Meyberg, Janna Düringer (Pingpong Translation & Subtitling)
- Produktionsleitung: Fritz Heil
- Team Junge Deutsche Philharmonie: Maximilian von Aulock, Tania Vásquez Schmidt, Thomas Wandt, Johanna Kehl, Fritz Heil, Gwendolyn Grauer
- PR & Kommunikation She She Pop: ehrliche arbeit – freies Kulturbüro, Tina Ebert
- Produktion & Company Management She She Pop: Aminata Oelßner, Elke Weber
- Eine Koproduktion der Jungen Deutschen Philharmonie und She She Pop in Kooperation mit dem Künstler*innenhaus Mousonturm Frankfurt am Main und dem Kunstfest Weimar.
- In Kooperation mit: Katrin Meyberg und Janna Düringer (Pingpong Translation)
- Melanie Fleischmann
- Produktion gefördert durch: Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien; Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur; Stadt Frankfurt a.M.; Kulturfonds Frankfurt RheinMain; Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten; Dr. Marschner Stiftung; Dr. Hans Feith und Dr. Elisabeth Feith-Stiftung; Crespo Foundation; Freunde der Jungen Deutschen Philharmonie; Christa Bülow Stiftung; Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen; Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt