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© Ramin Mazur

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Nicoleta Esinencu & teatru-spălătorie:
Memory Distortion. MIXTAPE

Sound-Performance über Gedächtnisverzerrung und Geschichte als Schleife

Was bleibt übrig von politischen Diskursen, wenn ihre Tonspuren zur Geräuschkulisse werden? Was kommt abhanden? Und wer entscheidet, welche Stimmen festgehalten werden, was bewahrt und was gelöscht wird? Die Autorin Nicoleta Esinencu und das Kollektiv teatru-spălătorie haben in Chișinău eine brandaktuelle Performance über Macht, Propaganda, Erinnern und Schweigen geschaffen – und über Geschichte, die als Schleife läuft. Ähnlich einem experimentellen Konzert entsteht auf der Bühne ein emotionales Klangarchiv der Gedächtnisverzerrung und des endlosen Übergangs vom sowjetischen Sozialismus zur neoliberalen Demokratie im politischen Spannungsfeld zwischen Ost- und Westeuropa. Dabei werden Geschichten hörbar, die in keinem Schulbuch auftauchten – übersteuert und lückenhaft, fragil und amnesisch wie alte Tonträger. Die moldauischen Künstler*innen inszenieren die Aufnahme und Überschreibung von Tonbändern als politische Gesten. Erinnerung wird zu Klang, Wiederholung zu Protest. »Memory Distortion. MIXTAPE« untersucht, ob Geschichte nur immer wieder angehört und schließlich gelöscht oder ob sie auch neu erzählt und weitergeschrieben werden kann.

»Memory Distortion. MIXTAPE« ist Teil des Schwerpunktes Theater. Gemeinsam mit → »96 %« und → »Four Walls and a Roof« ist die Veranstaltung im → Kombi-Ticket erhältlich.

NICOLETA ESINENCU

NICOLETA ESINENCU (*1978, Chișinău) ist Autorin und Regisseurin. Ihre Texte und Theaterprojekte beschäftigen sich mit der gesellschaftlichen Realität in der Republik Moldau und den Widersprüchen der postsowjetischen Zeit. Dabei nimmt sie auch die gesamteuropäische Geschichte und Gegenwart kritisch in den Blick. Den Umbruch von der sowjetisch dominierten Zeit zur Unabhängigkeit hat sie als Kind und Jugendliche erlebt. Wie Sprache zum Politikum wurde und wie Zugehörigkeit oder Ausgrenzung mit russischer, rumänischer oder ukrainischer Sprache verbunden wurden, gehört zu den Erfahrungen, die sie als Dramatikerin und Regisseurin in ihre Stücke einbringt. Nach einem Stipendium an der Akademie Schloss Solitude wurde sie mit »FUCK YOU, Eu.ro.Pa!« (2005) international bekannt, gewann den rumänischen dramAcum-Theaterpreis und erhielt in der Republik Moldau Aufführungsverbot. Es folgten zahlreiche Theatertexte, die sie gemeinsam mit dem von ihr mitbegründeten Künstler*innenkollektiv teatru-spălătorie inszenierte und international aufführte – darunter: »Dear Moldova, can we kiss just a little bit?« (2013, mit Jessica Glause), »Requiem für Europa« (2019), »Die Abschaffung der Familie« (2019), »Sinfonie des Fortschritts« (2022) und »Dirty Laundry. The TrashOpera« (2025). Die Autorin war mehrmals auf der Leipziger Buchmesse und beim Internationalen Literaturfestival Berlin zu Gast. Ihre Texte wurden ins Deutsche, Englische, Französische, Bulgarische und Polnische übersetzt. 2019 war Nicoleta Esinencu Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD. 2022 erhielten Nicoleta Esinencu & teatru-spălătorie den internationalen Tabori Preis. Im Rahmen des Festivals Theater der Welt in Chemnitz bekamen Sie 2026 den Preis den Internationalen Theaterinstituts verliehen.

TEATRU-SPĂLĂTORIE

TEATRU-SPĂLĂTORIE wurde 2010 als unabhängige Initiative gegründet. Es entstand aus dem Bedürfnis heraus, einen alternativen Kunstraum in Chișinău zu schaffen, in dem Künstler*innen auf die politischen und sozialen Ereignisse in der Republik Moldau bezugnehmen, agieren und reagieren können. Ihre Performances basieren auf Recherchen und dokumentarischem Material und blicken aus einer osteuropäischen Perspektive auf das Macht-Gebilde Europa. Der Veranstaltungsort von teatru-spălătorie in Chișinău musste 2017 mangels finanzieller Möglichkeiten geschlossen werden. Seither setzt teatru-spălătorie die Arbeit ohne eigene Bühne, teils im Exil und mit verschiedenen internationalen Partnerorten wie dem HAU Hebbel am Ufer in Berlin fort.

teatru-spălătorie ist ein queeres feministisches Kollektiv, bestehend aus den Kernmitgliedern Artiom Zavadovsky, Doriana Talmazan, Kira Semionov, Nicoleta Esinencu und Nora Dorogan. Ihre jüngste Produktion »Memory Distortion. MIXTAPE« ist 2025 in Chișinău entstanden.

  • Von: Nicoleta Esinencu, Artiom Zavadovsky, Doriana Talmazan, Kira Semionov, Nora Dorogan
  • Performance: Artiom Zavadovsky, Doriana Talmazan, Kira Semionov
  • Video: David Egger
  • Übersetzung: Ciprian Marinescu, Cornelia Winkler, Artiom Zavadovksy
  • Produktion: teatru-spălătorie
  • Koproduktion: HAU Hebbel am Ufer, FFT Düsseldorf
  • Gefördert durch: Kooperationsbüros der Schweiz in der Republik Moldau
  • Mit freundlicher Unterstützung des Goethe-Instituts.
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  • So 23.8. • 19:30

    Diese Veranstaltung ist im »Kombi-Ticket Theater« enthalten (20% Ermäßigung). -> Zur Kombi-Ticket Buchung

  • Sprache Rumänisch, Russisch, Deutsche Untertitel, Englische Untertitel Barrierefreiheit Rollstuhlplätze, Induktionsschleife
Redoute Weimar
90 Minuten
Ab 15 Jahren
Kombi-Ticket Theater
Hinweis zu Inhalten und sensorischen Reizen

Sensorische Reize:

• Auflegen und Übereinanderlegen verschiedener Klänge
• laute Geräusche
• verzerrte Töne wie durch Übersteuerung, erhöhter Rauschpegel, kratzende, abgehackte Klänge
• Kriegsgeräusche, z.B. Schüsse (vereinzelt)
• sich wiederholende Geräusche, z.B. Ticken der Uhr
• langanhaltender hoher Ton (einmalig)
• Schreien, Quietschen (vereinzelt)
• bedrohliche Musik (vereinzelt)
• durchgehend gedimmte Beleuchtung
• vereinzelte vollkommene Dunkelheit
• schnell flackerndes Licht (stroboskopähnlich) bzw. im schnellen Rhythmus flackernde Bilder
• in Teilen der Aufführung: rotes Licht, grünes Licht
• sich bewegende Bilder im Hintergrund
• Einsatz von Bühnennebel (mehrfach)

 

Inhaltshinweise:

• Thematisierung von Krieg, Bomben, Blut, Genozid, Antisemitismus und Antiziganismus
• Bilder von zerstörten Häusern

  • Von: Nicoleta Esinencu, Artiom Zavadovsky, Doriana Talmazan, Kira Semionov, Nora Dorogan
  • Performance: Artiom Zavadovsky, Doriana Talmazan, Kira Semionov
  • Video: David Egger
  • Übersetzung: Ciprian Marinescu, Cornelia Winkler, Artiom Zavadovksy
  • Produktion: teatru-spălătorie
  • Koproduktion: HAU Hebbel am Ufer, FFT Düsseldorf
  • Gefördert durch: Kooperationsbüros der Schweiz in der Republik Moldau
  • Mit freundlicher Unterstützung des Goethe-Instituts.
Trailer »Memory Distortion. MIXTAPE« © teatru-spălătorie (2025)