Mit einem programmatischen Paukenschlag eröffnet das Kunstfest Weimar 2025 unter dem Motto „Mutig leben“ diesen Mittwoch – mit der eindrucksvollen künstlerischen Begegnung zweier Länder, deren Verhältnis von historischer Spannung geprägt ist: Die israelische Ausnahmekünstlerin Sigalit Landau präsentiert im Glockenturm des ehemaligen Gauforums ihre eigens für Weimar entwickelte Video-Installation „Tower of Torment“, eine poetisch-dichte Reflexion auf Gewalt, Erinnerung und Transformation. Parallel dazu erobert der libanesische Star-Choreograf Omar Rajeh mit seinem spektakulären Tanzprojekt „Dance People“ den Theaterplatz. In dieser groß angelegten Open-Air-Choreografie wird das öffentliche Stadtraumgeschehen selbst zur Bühne für kollektives Erleben, Körperpolitik und Hoffnung – und das Publikum ist mittendrin statt nur dabei. Am selben Abend der zweite Paukenschlag: Brett Bailey, gefeierter Regisseur aus Südafrika, bringt mit „FaustX“ seine schonungslos aktuelle Neuverhandlung des Goethe-Stoffs auf die Bühne der Redoute. Mit Referenzen an SpaceX und dystopischer Gegenwartsanalyse entwirft Bailey eine absurde, bitter-komische Reise durch globale politische Widersprüche – der „Faust“ als Spiegel der zerrissenen Welt des 21. Jahrhunderts.
Am Donnerstag, dem zweiten Festivaltag, steht das Festival erneut im Zeichen größter politischer Aktualität: In der KET-Halle wird das exilrussische Projekt „Das Land, das ich liebe“ uraufgeführt. Entstanden zwischen Russland und Deutschland, unter Mitwirkung anonym bleibender Künstler:innen, reflektiert es die aktuellen politischen Verhältnisse in Russland – zwischen Oppression und Verfolgung Andersdenkender, auf Grundlage des Bestsellers der im Exil lebenden Autorin Jelena Kostjutschenko. Begleitet wird die Uraufführung von der Gedächtnis-Buchenwald-Rede der russischen Historikerin und Menschenrechtsaktivistin Irina Scherbakowa, die erneut die Schirmherrschaft über das größte Festival der zeitgenössischen Künste in Ostdeutschland übernommen hat. Die Festspiele dauern bis zum 07.09 und legen einen Schwerpunkt auf „Faust“ anlässlich des 250. Jahrestags von Goethes Ankunft in Weimar: u.a. mit einem Wiedersehen mit William Kentridges legendärem „Faustus in Africa!“ am 07.09., und einer neuen Komödie von Theresia Walser ab 25.08. Ein Länder-Schwerpunkt widmet sich der hochkarätigen Performing Arts-Szene Taiwans, am ersten Wochenende mit dem brillanten choreografischen Zirkustheater „MOSS“ - der Geschichte fünf junger Artisten aus dem Hinterhöfen Taipehs (23/24.08). Mit dem chroreografischen Reisebericht „Choreographing Story“ am 28./28.8 und „Luna“ der gefeierten indigenen Bulareyaung Dance Company am 01,/02.09 werden weitere hochkarätige Tanz-Highlights in Weimar zur deutschen Erstaufführung kommen. Im vergangenen Jahr erreichte das Kunstfest Weimar 43.000 Zuschauer.
Rolf C. Hemke
Künstlerischer Leiter – Kunstfest Weimar – Artistic Director
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